Waldbrände in Deutschland: Risiken geringer, aber nicht verschwunden

Waldbrände in Deutschland sind weniger intensiv als in Südeuropa. Forstwissenschaftler erklärt Ursachen und Schutzmaßnahmen.

Feuerwehrmann durch verkohlten Wald in Frankreich, während Waldbrände stattfinden
Feuerwehrmann durch verkohlten Wald in Frankreich, während Waldbrände stattfinden

Die Zahl der Waldbrände in Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken, doch die Gefahren sind nicht verschwunden. Der Forstwissenschaftler Michael Müller erklärt, warum die Brände in Deutschland nicht so intensiv wie in Südeuropa ausbreiten können und welche Maßnahmen zur Risikominimierung erforderlich sind. Die Ursachen für die geringere Brandgefahr liegen in der Waldstruktur, der Bewirtschaftung und der Reaktion der Bevölkerung auf Warnungen.

Waldstruktur und Brandverhalten

Die Alters- und Bauartenstrukturen der Wälder sind entscheidend für die Ausbreitung von Bränden. In Deutschland sind viele Wälder älter und gut strukturiert, was die Ausbreitung von Flammen hemmt. Im Gegensatz zu Südeuropa, wo die Bäume oft trockener und brennbarer sind, brennt in Deutschland meist nur das Totholz und die Streu, nicht die Stämme selbst. Das, was intensiv brennt, in der Regel nicht die Bäume selbst sind, erklärt Müller. Die Bäume in den mediterranen Wäldern Frankreichs und Spaniens mit Pinien und anderen Kiefern bringen oft die sogenannte Macchia hervor, was zu einer höheren Brennlast führt. Das Material ist wesentlich brennfähiger und von Natur aus trockener als hierzulande. In Deutschland ist die Brennbarkeit des Materials geringer, was die Intensität der Brände reduziert.

Brandursachen und Brandbekämpfung

Technische Brandursachen sind seltener geworden, und die Erkennung von Bränden ist heute effizienter. Zudem verhalten sich Menschen vorsichtiger, wenn hohe Gefahrenstufen ausgerufen werden. Nur sehr selten breitet sich ein Brand in Deutschland mit mehr als einem Kilometer pro Stunde aus. In gefährdeten Gebieten ist die Infrastruktur so zu planen, dass die Feuerwehr schnell und ausreichend Wasser nachfassen kann. Die Waldbrandgefahr hängt stark von der Brennbarkeit des Materials und der Struktur des Waldes ab. In jungen, gleichförmigen Kiefernwäldern können sich Brände unter günstigen Bedingungen schnell ausbreiten, doch solche Wälder sind in Wirtschaftswäldern heute selten. Brände wie in Südeuropa sind in Deutschland in dieser Intensität in Wirtschaftswäldern nicht möglich, betont Müller.

Die Waldbrandgefahr ist auch abhängig von der Art des Waldes. Entzündungen gibt es im Kiefernwald ebenso wie im Buchenwald. Je nach Waldstruktur ist die Brandausbreitung aber sehr unterschiedlich. Im Buchenwald kriecht die Flamme meist schleppend durch das Laub auf dem Boden. Im Kiefernwald kann sie sich deutlich schneller bewegen, insbesondere wenn feines, trockenes Material vorhanden ist und der Wald jung und dicht ist.

Die Brandbekämpfung ist in manchen Situationen besonders schwierig, wenn sich das Feuer in die Baumkronen ausbreitet. Dann entstehen hohe Temperaturen, starke Winde und eine enorme Strahlungswärme. Eine taktische Variante ist der Löschwasserabwurf mit Luftfahrzeugen, um den Bodenkräften den Zugang zur Feuerfront zu ermöglichen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hektar Wald in Deutschland von einem Waldbrand getroffen wird, liegt bei 0,01 Prozent. Obwohl Waldbrände nicht vollständig verhindert werden können, können sie früh erkannt und gefährdete Objekte geschützt werden. Eine gute Waldbewirtschaftung, eine leistungsfähige Feuerwehr, eine zuverlässige Überwachung und das Vermeiden von Zündquellen sind entscheidend, um die Gefahren zu minimieren.