Zehnkampf-Weltmeister Neugebauer: “9000 Punkte sind irgendwann fällig”

Zehnkampf-Weltmeister Neugebauer spricht über EM-Ziele, sportliche Erfolge und seine Rolle als Unicef-Pate.

Zehnkampf-Weltmeister Neugebauer in der EM-Vorbereitung, umringt von Trophäen und Medaillen
Zehnkampf-Weltmeister Neugebauer in der EM-Vorbereitung, umringt von Trophäen und Medaillen

Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer (26) ist in den vergangenen Jahren zu einem bekannten Namen im deutschen Sport geworden. Der Leichtathlet, der 2025 bei der WM in Tokio den Titel gewann, spricht über seine Ziele, seine Entwicklung und seine Rolle als Unicef-Pate. Er ist in Deutschland für den VfB Stuttgart aktiv und in den USA als Athlet der University of Texas. Seine Erfolge haben nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA Aufmerksamkeit erregt.

EM als nächste große Herausforderung

Bei der Leichtathletik-EM in Birmingham zählt Neugebauer zu den Gold-Favoriten. Die Medaille fehlt ihm noch, doch er ist optimistisch. „Auf jeden Fall eine EM-Medaille, die mir definitiv fehlt“, sagt er. Die Voraussetzungen seien da, um das Set vollzumachen. Europa ist im Zehnkampf der stärkste Kontinent, und die Konkurrenz ist groß. „Dazu gehört auch Niklas Kaul. Wenn wir beide zwei Medaillen für Deutschland holen könnten, wäre das krass“, sagt Neugebauer. Neugebauer hat sich mental stark weiterentwickelt. Nach seinem Olympia-Silber und WM-Gold hat er gelernt, mit Druck umzugehen. „Ich habe viel dazugelernt. Als ich 2023 erstmals Weltjahresbester war und den deutschen Rekord gebrochen habe, war plötzlich auch viel Druck da. Damals kam ich aus dem Nichts, und alle haben auf mich geschaut. Da war der Druck wahrscheinlich zu hoch geworden, und ich konnte damit noch nicht umgehen.“

9000 Punkte – ein Ziel, das fällig ist

Die 9000 Punkte stehen auf seiner „Bucketlist“ und sind definitiv irgendwann fällig. Seine Bestleistung liegt bei 8961 Punkten, also ganz nah an dem magischen Ziel. „Da bin ich sehr zuversichtlich“, sagt er. Obwohl er noch ein paar Jahre vor sich hat, ist er überzeugt, dass er das Ziel erreichen wird. „Man kann nicht wirklich im Voraus ankündigen, wann es klappt. Oft merkt man erst während eines Zehnkampfes, dass er gut werden könnte.“

Neugebauer ist nicht nur ein sportlicher Erfolg, sondern auch ein Symbol für die Entwicklung von Athleten, die aus dem Nichts zum Weltmeister werden. Er ist ein „household name“ in Deutschland, und seine Bekanntheit hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert. „Das Krasse ist, über die vergangenen Jahre werde ich immer mehr zu einem ‚household name‘, wie man es auf Englisch nennt“, sagt er. Er fühlt sich dabei immer noch wie der „ganz normale Stettner Junge“ aus Leinfelden-Echterdingen. Seine Erfolge haben nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA Aufmerksamkeit erregt. Er ist ein Vorbild für junge Athleten und zeigt, dass es möglich ist, aus dem Nichts zum Weltmeister zu werden. Seine Rolle als Unicef-Pate hat ihn auch in Kamerun gebracht, wo er die Menschen und ihre Lebensumstände hautnah erlebt hat. „Es hat mich sehr bewegt, zu sehen, wie dort das Leben durch Unicef verändert wird“, sagt er.

Er ist Weltmeister und Olympiasieger.

Seine Verbindungen nach Kamerun sind tief verwurzelt. Er hat dort eine Riesenfamilie und besucht seine Verwandten regelmäßig. „Ich war in meinem Leben noch gar nicht so oft dort: zweimal, als ich superjung war, mit eins und mit fünf. Dann besuchte ich das Land noch einmal Anfang 2025. Es gab Zeiten, als es dort Unruhen gab und es gefährlich war, Kamerun zu besuchen.“

Er ist in Deutschland für den VfB Stuttgart aktiv.

Sein Karriereplan ist klar: „Bei mir heißt es immer: Go with the flow! Ich lasse es auf mich zukommen. Für die nächsten zwei Jahre steht die Roadmap: 2027 WM, dann 2028 Olympia. Da liegt der volle Fokus auf der Leichtathletik. Da lege ich alles rein, um später dann nichts zu bereuen.“